Die ersten Brüder Freimaurer waren operative Handwerker: Bauherren/-meister, Fürsten, Grafen, Offiziere. Zur Arbeit trugen sie den Anzug, den sie wohl auch nach der Standesordnung zum sonntäglichen Kirchgang und bei besonderen Festen angezogen haben.
Am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam das Bürgertum in die Freimaurerei. Die damalige Kleidung war ein frackähnliches Gebilde. Zu diesem Anzug wurde der graue oder später schwarze (hohe) Hut, der Zylinder, getragen.
Im profanen Leben gibt es vielerlei Kopfbedeckungen: die Mütze des Studenten, das Barett des Pfarrers, die Krone des Königs oder Papstes (Tiara), der Schlapphut des Künstlers, die Mütze des Rastafaris auf Jamaika, der Doktorhut des Wissenschaftlers, der Lorbeerkranz des Siegers…. Daneben gibt es noch den „Zauberhut“. Wir begegnen ihm in Form des Chapeauclaque (zusammenfaltbarer Zylinder) des Magiers oder des langausgezogenen spitzen Huts des Zauberers.
Sie haben eines gemeinsam: sie sind/waren nicht nur ein Standeszeichen, sondern auch eine Mahnung und Erinnerung für den Träger. Sie haben Symbolwert.
Aufgenommen werden in die Freimaurerei darf nur ein „freier Mann von gutem Rufe“, eine Persönlichkeit, deren polizeiliches Führungszeugnis wir nicht verlangen, sondern ihn nach seiner „inneren Haltung und Stärke“ beurteilen wollen.
Die Freimaurerei denkt nicht an die äußere Freiheit. Die eigene Urteilskraft über sich selbst („Schau in Dich!“) ist die alleinige Autorität, die ihm die Freimaurerei zubilligt. Nicht Rang, nicht Würden, nicht Titel, nicht äußere Besitztümer benötigt es, um Freimaurer zu werden. All diese Äußerlichkeiten soll er vor der Tür der Loge ablegen. Wir begegnen uns „auf Augenhöhe“ als Menschen.
Dies wird daher bei einigen Lehrarten (z.B. GNML „Zu den drei Weltkugeln“) durch das Tragen eines Zylinders in den rituellen Arbeiten zum Ausdruck gebracht. Es symbolisiert die Gleichheit unter innerlich freien, aber höchst unterschiedlichen Männern, Persönlichkeiten.
„Tragen Sie den Hut in unseren Versammlungen als Sinnbild der vollkommenen Gleichheit unter Freimaurern, wo kein anderes Ansehen als das Ansehen der Gesetze gilt.“
Mit dem Satz „Nur das Gesetz kann uns Freiheit geben“, hat bereits Johann Wolfgang von Goethe diesen Gedanken formuliert.
Die JL „Mutabor ad lucem“, als Tochterloge der Großloge „AFuAMvD“ hat sich entschieden, auf diesen Teil der maurerischen Bekleidung zu verzichten. Dies hat vorrangig finanzielle Gründe, da die Anschaffung eines Zylinders nicht unerhebliche Kosten verursacht. Unsere Bekleidung im „Tempel“ besteht aus Bijou (Logenabzeichen), Schurz und Handschuhen, (ohne Hut), die in gewisser Weise eine „Uniformität“ darstellt, eine äußere Ordnung, die den Geist nach innen lenkt.
Denkbar ist aber weiterhin, dass jede Art von Kopfbedeckung in der Loge möglich wäre. Das Bild wäre allerdings „unruhig“ und möglicherweise ablenkend von der Kontemplation.
Der Film "Vogelfrei" von Agnes Varda (mit der grandiosen Sandrine Bonnaire) reflektiert das Thema "Freiheit", das in der Freimaurerei eine zentrale Rolle spielt. Nun ist es kein Film über die Freimaurerei, aber meine Assoziationen hierzu:
- ich denke an die Wandergesellen, die uns stets ein Vorbild und historische Urväter sind. Die Gedanken an Freiheit sind dort permanent, gleichermaßen der Gedanke an Überleben und Demut.
- Ein Mensch wählt die Freiheit, aus welchen Motiven auch immer (das bleibt im Film vollkommen offen), er wählt die Konsequenz (bis zum Tod; denn damit beginnt der Film).
- Wie sieht das Hilfesystem aus für einen Menschen, der bewusst diese Freiheit wählt und nur das Unabdingbare entgegennimmt. Es funktioniert nur bedingt, es ist immer eine individuelle Entscheidung zu teilen; (die Loge spendet nicht, es sind die Brüder, die sich allein entscheiden dürfen, was und wem sie spenden). Er/sie nimmt sich etwas, im Kontakt zu den Menschen wird auch Wohlfühlen gesucht. Die Helfenden sind nicht konsequent, die vermeintlich Hilfloseste (ältere reiche Dame) stellt sich als die lustigste Begleiterin heraus, die sehr wohl weiß, dass ihr Neffe sie nur ausnehmen will, sie aber nicht ernst nimmt. Die Streunerin Mona muss man ernst nehmen. Sie nimmt die ältere Dame ernst. Wir wollen als Freimaurer ernst genommen werden. Wir wollen freie Männer von gutem Ruf sein und bleiben. Aber gelingt das immer? Genügen wir diesem Anspruch?
- Ist sie eine Suchende? Hier fällt mir das Absichtslose der Freimaurerei ein. Wir müssen nicht fragen, warum willst Du Freimaurer werden, sondern sollten spüren, ahnen, woher (s)eine Motivation kommt. Schöne Worte schaffen noch keine Gewähr, dass Freimaurerei das "Richtige" für einen Menschen sind.
- Sie lebt diese Freiheit in ihrer Unbedingtheit aus, die keine Ansprüche und Anforderungen an andere stellt; (da muss man nicht R. Luxemburg strapazieren).
- Sie ist frei von Moralität, das ist es, glaube ich, was die Person (und den Film) so überzeugend macht. Das ist zuweilen das Problem in unseren Logen und Köpfen, das wir in moralischen Kategorien denken, gleichwohl unsere Haltung sich längst nicht stabilisiert hat. Es ist einfacher, sich an moralisch-gesellschaften Normen festzuhalten, das will ich gar nicht verdammen, als Freiheit in den eigenen Kopf zu bekommen.
- Der Film ist eine Herausforderung, wie die Freimaurerei auch. Es gibt keine "light"-Version der Maurerei, sondern nur konsequentes Suchen und Arbeiten. Das kann niemand vorgeben, sondern bedarf harter Innenschau, brüderlicher Zuneigung und Geduld, die nicht jeder von uns hat.

Die Freimaurer haben eine operative Herkunft: die Wandergesellen. Diese lebendige Tradition ist wunderbar festgehalten in einem neuen Bildband, der die "Philosophie" der "Fremden" kurz und knapp verdeutlicht. Herausragende Bilder, schöne Gedanken. Lohnenswert! Bildband "Wanderschaft" von Holger Keifel - KULTUREXPRESSO
Wir haben das erste Logenabzeichen (Bijou) verworfen und ein neues gestaltet. Was ist zu sehen, was ist zu verstehen? Zwei sich kreuzende Storchen-Köpfe (nach Kalif Storch, Märchen von Wilhelm Hauff) für das Miteinander, Schwarz-Weiß für die Dualität, Pentagramm (Zeichen für den "Flammenden Stern" in der AFuAMvD) für das Licht, herausgebrochene Ecke für unsere Unvollkommenheit. Was denkt Ihr? Mal was anderes!?

Am 23.10.2025 haben wir in einer gemeinsamen Arbeit im Museumspark Rüdersdorf | Industriedenkmal | Museum | Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland, zwei Lehrlinge zu Gesellen befördert. Diese mussten vorher an ihrem rauen Stein arbeiten. Ein großartiges Erlebnis im ehemaligen Ziegeleiwerk, wo Handwerk noch lebendig ist. Dank an unsere Brüder der JL "Galilei", Freimaurer Berlin Loge - Galilei zur ewigen Wahrheit - G.z.e.W. für Ihre Gastfreundschaft.